Basic Life Support - BLS

Wiederbelebung von Erwachsenen
In der Schweiz regelt der Swiss Resuscitation Council (SRC) die Belange der Wiederbelebung. Für weitergehende Informationen zu diesem Themenbereich verweisen wir auf dessen Homepage www.resuscitation.ch
Einleitung
Bei einem (Herz)-Kreislaufstillstand setzen Herztätigkeit und Atmung aus. Die Rettungsmassnahmen wie Beatmung und Herzdruckmassage werden als kardiopulmonale Reanimation (CPR) bzw. Basic Life Support (BLS) bezeichnet. Deren Ziel ist es, über einen Minimalkreislauf die Sauerstoffversorgung des Gehirns gewährleisten.
Da es für den Erfolg einer Wiederbelebung vor allem auf die Zeit bis zum Beginn der Massnahmen ankommt, sollte Möglichst jeder Mensch in der Lage sein, die Basismassnahmen der Reanimation (BLS) durchzuführen. Dabei sollte sich jeder der Tatsache bewusst sein, dass ein Herz-Kreislauf-Stillstand zu jeder Zeit und an jedem Ort auftreten kann. Es kann Fremde, aber auch Kollegen, Familienangehörige oder Freunde an irgendeinem Ort treffen. Sie wissen nie, wann und wo Sie in eine Situation geraten, in der Sie Leben retten müssen.
Hier werden die BLS auf dem Stand der internationalen Leitlinien von 2005 dargestellt. Zunächst die wichtigsten Änderungen gegenüber früheren Empfehlungen:
- Die Entscheidung mit der Reanimation zu beginnen wird gemäss den 2005er Leitlinien getroffen, wenn ein Patient auf Ansprache nicht reagiert, und nicht normal atmet.
- Um keine Zeit für das Aufsuchen des Druckpunktes zu verschwenden, wird nun empfohlen, den Druckpunkt in der Mitte des Brustkorbes (das entspricht der unteren Hälfte des Brustbeins) zu wählen.
- Die Dauer für eine Beatmung soll ca. eine Sekunde sein.
- Für erwachsene Patienten mit Kreislaufstillstand ist das Verhältnis von Kompression zu Ventilation 30:2. Bei der Laienreanimation von Kindern wird dasselbe Verhältnis angewendet.
Ziel der Basismassnahmen der Reanimation ist es, die Lungen zu belüften und einen Blutkreislauf aufzubauen damit das Gehirn und das Herz mit Sauerstoff versorgt werden, bis die Ursache des Kreislaufstillstands geklärt ist und die erweiterten Reanimationsmassnahmen (ACLS – Advanced Cardiovascular Life Support) eingeleitet werden können.
Wenngleich Thoraxkompressionen und Beatmung alleine als überbrückende Massnahmen betrachtet werden, kommt ihnen eine zentrale Bedeutung für die Steigerung der Überlebenschancen zu. CPR ist die beste Versorgung von Patienten mit Kreislaufstillstand bevor ein Defibrillator verfügbar ist.
Je besser die Glieder der Überlebenskette
- frühe Erkennung und Alarmierung
- frühe CPR
- frühe Defibrillation
- frühe erweiterte Massnahmen
ineinander greifen, desto höher sind die Überlebenschancen der betroffenen Menschen.
Sofortige Basismassnahmen verdoppeln bis verdreifachen die Überlebenschancen!
Ursachen eines Kreislaufstillstands
Es gibt viele Ursachen für einen Kreislaufstillstand. Zu den häufigsten gehören:
Herzinfarkt, Ersticken/Sauerstoffmangel, Lungenembolie, Vergiftungen, Schlaganfall, schwere Verletzungen, Stoffwechselstörungen, u.a…
Bei Auftreten verdächtiger Symptome sollte sofort der Rettungsdienst via Tel. 144 aufgeboten werden, da jede Minute Verzögerung die Heilungschancen verschlechtern kann.
Anzeichen eines Kreislaufstillstands erkennen
Die Basismassnahmen der Reanimation werden im sogenannten ABC-Schema zusammengefasst. Dabei steht:
A – für Airway (das Freimachen und Freihalten der Atemwege)
B – für Breathing (Überprüfung der Atmung und ggf. Beatmen)
C – für Circulation (Herzdruckmassage)
Heute wird auch die Defibrillation (D) zu den BLS gezählt. Wir gehen weiter unten darauf ein. Damit sind also wir beim sogenannten „ABCD“.
Die Anzeichen eines Kreislaufstillstands sind unabhängig von der Ursache immer dieselben. Bewusstlosigkeit und ein Atemstillstand kennzeichnen das Ereignis. Diese Zeichen sind ohne technische Hilfsmittel erkennbar. Unabhängig von Ort und Ursache des Geschehens sollten nach dem Kollaps so schnell wie möglich die lebensrettenden Massnahmen eingeleitet werden. Wenn ein Defibrillator verfügbar ist, sollte dieser (falls erforderlich) schnellstmöglich eingesetzt werden.
Ein Kreislaufstillstand tritt häufig völlig unerwartet ein. Deshalb ist es bedeutsam ein einfaches Vorgehensschema im Kopf zu haben, nachdem in der akuten Notfallsituation pragmatisch gehandelt werden kann.
Über allem anderen steht dabei die eigene Sicherheit des Helfers. Eine Annäherung an den Patienten darf erst erfolgen, wenn klar ist, dass dem Helfer keine Gefahr droht. Im Zweifelsfall muss auf das Eintreffen spezialisierter Personen gewartet werden.
Bewusstseinskontrolle
Bereits ca. 10 bis 15 Sekunden nach dem Kreislaufstillstand tritt ein Bewusstseinsverlust ein. Bei Verdacht auf einen Kreislaufstillstand wird empfohlen, den Patienten anzusprechen, anzufassen und leicht zu schütteln und ihn nach seinem Befinden zu fragen. Zweck dieser Vorgehensweise ist es, eine Bewusstlosigkeit zu erkennen. Ist der Patient bewusstlos, muss zu diesem Zeitpunkt weitere Hilfe alarmiert werden. Wer in dieser Situation alleine ist, soll laut um Hilfe rufen, wenn möglicherweise Personen in der Nähe sind, die zu Hilfe kommen können. Es ist es sehr wichtig, so schnell wie möglich Unterstützung zu erhalten. Das erste Glied in der Überlebenskette ist die Benachrichtigung des Rettungsdienstes über die Sanitätsnotrufnummer 144.
Airway
Wenn der Patient bei der Bewusstseinskontrolle keine Reaktion zeigt, müssen nach der Alarmierung als nächstes die Atemwege freigemacht werden. Dafür sollte der Patient in Rückenlage gebracht werden.
Überstrecken Sie zum Freimachen der Atemwege den Kopf im Nacken und heben Sie den Unterkiefer an. Dadurch wird eine Verlegung der Atemwege durch die Zunge verhindert.
Eine Ausräumung des Mund-Rachenraumes erfolgt nur bei sichtbaren Fremdkörpern, oder wenn es Schwierigkeiten bei der Beatmung gibt.
Breathing
Atemzeichen sehen, hören und fühlen bedeutet, den Brustkorb des Patienten zu beobachten und dabei auf Atemgeräusche und Atembewegungen zu achten. Dies geschieht am besten, indem man den Kopf über Mund und Nase des Patienten beugt und auf den Brustkorb des Patienten schaut. Es empfiehlt sich, diese Überprüfung bis zu 10 Sekunden, aber nicht länger durchzuführen. Ist der Patient bewusstlos atmet aber normal, wird er in eine stabile Seitenlage gebracht. Manchmal sieht es aus, als würde der Patient versuchen zu atmen, bei genauerer Beobachtung sind jedoch keine Atemgeräusche oder -bewegungen festzustellen. Falls auch nur der geringste Zweifel an einer normalen Eigenatmung des Patienten besteht, muss der nächste Schritt des BLS erfolgen – die Beatmung.
Beginnen Sie mit der Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung. Wenn die Helfer darin geübt sind, können zur Beatmung des Patienten Beatmungshilfen wie eine Taschenmaske verwendet werden. Beatmen Sie zweimal, wobei Sie in den Mund des Patienten blasen, während Sie darauf achten, dass die Nase gut abgedichtet ist. Dann beobachten Sie die Brust, um zu sehen, ob sich der Brustkorb senkt. Alternativ kann in die Nase beatmet werden, wenn dabei der Mund des Patienten verschlossen wird.
Wenn bei der Beatmung des Patienten Schwierigkeiten auftreten, d.h. der Brustkorb sich scheinbar nicht hebt und ein Widerstand zu spüren ist, sollten die Atemwege kontrolliert und der Kopf erneut überstreckt und der Unterkiefer angehoben werden. Wenn die ersten beiden Beatmungen erfolgreich durchgeführt werden konnten, ist der nächste Schritt die Herzmassage (=Thoraxkompression).
Bei der Beatmung besteht besonders die Gefahr, dass die Luft in den Magen gelangt und Mageninhalt hochgewürgt wird, was wiederum zu einer Verlegung der Atemwege führen kann. Die Beatmungsvolumina wurden daher im Jahr 2005 international neu festgelegt. Unabhängig davon, ob die Beatmung mit oder ohne Sauerstoffzufuhr stattfindet soll eine Beatmung zu einer sichtbaren Bewegung des Brustkorbs führen. (Dies entspricht ungefähr 500 bis 600 ml mit einer Beatmungsdauer von einer Sekunde.)
Die Reanimation wird durchgeführt
· bis professionelle Retter die Massnahmen übernehmen
· der Patient wieder normal atmet / ein Arzt den Tod feststellt oder
· die eigene Leistungsgrenze erreicht ist.
Circulation
Aufgrund verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungen empfehlen die Leitlinien, die Pulskontrolle für Laien nicht mehr zu schulen.
Es gilt nun, dass ein bewusstloser Patient ohne normale Atmung als leblos angesehen wird und deshalb mit den Thoraxkompressionen begonnen werden muss. Durch direkte Kompression des Brustkorbes wird eine Herzauswurfleistung erzeugt. Der Patient wird auf einer harten Unterlage auf den Rücken gelegt. Nach dem Freilegen des Oberkörpers sucht man den Druckpunkt auf, was in den aktuellen Empfehlungen mit „Mitte des Brustkorbes“ (das entspricht der unteren Hälfte des Brustbeins) empfohlen wird. Handballen über Handballen wird hier mit angehobenen Fingern und durchgestreckten Armen das Brustbein ca. 4 bis 5 cm senkrecht gegen die Wirbelsäule gedrückt. Die Bewegung sollte dabei nicht aus den Ellenbogen, sondern aus der Hüfte erfolgen. Druck- und Ent-lastungsphase sollen bei einer Frequenz von 100 pro Minute etwa gleichlang sein. Ebenso ist bei jeder Kompression auf eine vollständige Entlastung des Brustkorbes zu achten. Die Thoraxkompressionen sollten nie länger als unbedingt notwendig unterbrochen werden. Das Verhältnis von Herzdruckmassage (HDM) zu Beatmung beträgt - unabhängig von der Zahl der Helfer - neu 30:2, das bedeutet, dass - nach zwei Einstiegsbeatmungen - nach 30 Kompressionen 2 Beatmungen folgen, gefolgt von 30 Kompressionen und so weiter. Wenn möglich sollen Helfende welche die Thoraxkompression durchführen, alle 2 Minuten abgelöst werden (das entspricht ungefähr 5 Zyklen 30:2).
Bricht eine erwachsene Person in Anwesenheit von Ersthelfern plötzlich bewusstlos zusammen (also nur bei beobachtetem Herz-Kreislaufstillstand) sollen sowohl ausgebildete als auch nicht ausgebildete Ersthelfer zumindest Alarm auslösen und Thoraxkompressionen durchführen.
Die Reanimation wird durchgeführt
· bis professionelle Retter die Massnahmen übernehmen
· der Patient wieder normal atmet / ein Arzt den Tod feststellt oder
· die eigene Leistungsgrenze erreicht ist.
Quellen und weiterführende Informationen
- American Heart Association, Currents in Emergency Cardiovascular Care, Volume 16, Number 4
- American Heart Association, The 2005 American Heart Association Guidelines for ECC and CPR, Circulation 2005;112
- M. Sayre et al.: Hands-Only (Compression-Only) Cardiopulmonary Resuscitation: A Call to Action for Bystander Response to Adults Who Experience Out-of_Hospital Sudden Cardiac Arrest in: Circulation, 2008;117:000-000
- European Resuscitation Council (2005) International Guidelines on Resuscitation, Resuscitation Vol 67:s1-s186
- www.americanheart.com American Heart Association AHA
- www.americanheart.org Currents
- www.erc.edu European Resuscitation Council ERC
- www.resuscitation.ch Swiss Resuscitation Council
- www.sirmed.ch Schweizer Institut für Rettungsmedizin
Verwendung der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung Schweizer Institut für Rettungsmedizin – SIRMED in Nottwil. Jede nicht autorisierte Weiterverwendung ist untersagt.








